Ein Zeichen der Zeit: Seit einigen Jahren erlebt die Schule SFGB, Standort Biel, eine deutliche
Entwicklung hin zu mehr Offenheit. Insbesondere in Bezug auf Genderfragen innerhalb ihrer Gemeinschaft.
Als wir im ersten Jahr an der Schule ankamen, waren wir von einem bestimmten Aspekt ziemlich beeindruckt: Die Schultoilette ist ein genderneutraler Raum. Das war neu für uns und anfangs vage unangenehm.
Wir suchten Sven, einen der Verantwortlichen, auf, um mehr darüber zu erfahren. Er erzählte uns, dass diese Entscheidung, die vor zwei Jahren vom ehemaligen Schulleiter Beat Trummer getroffen wurde, auf das Plädoyer mehrerer Schülerinnen und Schüler zurückzuführen war, die die vorherrschenden Normen in Frage stellten, sowie auf den Wunsch, die Inklusion zu fördern. Im Falle eines anhaltenden Unbehagens von Schülerinnen angesichts der Anwesenheit von männlichen Kollegen im selben Raum oder von Schülern, die mit der potenziell schockierenden Präsenz von Menstruationshygieneprodukten konfrontiert werden, versicherte er, dass die Situation jederzeit neu bewertet werden könne.
Bisher wurden die geschlechtsspezifischen Piktogramme an der Eingangstür durch ein nüchternes „WC“ ersetzt. Bald werden neue Symbole angebracht, die Einrichtungen wie Urinale, WC-Schüsseln und Duschen darstellen, anstatt der geschlechtsspezifischen Symbole.
Das machte uns neugierig zu erfahren, wie die Situation im Berner Teil unserer Schule aussieht. Es stellte sich heraus, dass ihre Piktogramme ziemlich veraltete Stereotypen sind: eine männliche Silhouette im Anzug, eine weibliche Silhouette im engen Kleid, in beiden Fällen mit idealisierten körperlichen Attributen.
Nachdem wir festgestellt hatten, dass unsere Schule in dieser Frage eine Vorreiterrolle einnahm, beschlossen wir, uns auf eine umfassendere Untersuchung einzulassen, um zu sehen, ob andere Schulen sich dieselben Fragen stellten. Wir besuchten also so viele Schulen in Biel wie möglich (insgesamt 17) und fotografierten die Türen ihrer Toiletten. Nach dieser gründlichen Untersuchung stellen wir fest, dass keine andere Bieler Schule sich für geschlechtergerechte Toiletten entschieden hat. Unsere Recherche ergab auch eine ziemlich klare physische Trennung zwischen Männer- und Frauentoiletten.
Das Fehlen ähnlicher Initiativen unterstreicht den visionären Charakter unserer Schule in Bezug auf die Inklusion. Neben den spezifischen Ausbildungsinhalten ist es vielleicht auch genau das, was von einer Kunstschule erwartet wird: ihre Fähigkeit, etablierte Normen in Frage zu stellen.