die versteckte Seite des Hauses

Wenn man in den Gängen der Schule herumspukt, stößt man auf Spuren der früheren Nutzung, Relikte aus einer nicht allzu fernen Vergangenheit, in der das Haus ganz anders genutzt werden musste. Wir wollten Licht in diese mysteriösen Bereiche bringen und befragten Sven Weber, den Ausbildungsleiter, der schon so lange an der Schule arbeitet, dass er viel darüber wissen muss.
Wir haben uns mit Matthias Grütter unterhalten, der uns über die primäre Funktion der Schule aufklärte. Es gibt immer noch Spuren von General Motors, zum Beispiel die “Drehscheibe” im Showroom. Gibt es noch weitere Spuren, die wir übersehen haben könnten?
Im grossen Showroom, wo die Autos im Schaufenster ausgestellt wurden, drehte sich die oben angetönte Drehscheibe mit dem teuersten Modell fröhlich inmitten der anderen Ausstellungsmodelle. Und ja, es gibt immer noch diese Rohre, die damals für den Versand kleiner Kassetten verwendet wurden. Auf diese Weise wurden Briefe und andere Dokumente zwischen den einzelnen Etagen des Gebäudes transportiert. Scheinbar gab es sogar ein Rohr, das unter der Straße verlief, welches die beiden Gebäude über ein pneumatisches System verbunden hat. Abgesehen davon gibt es aber im Gebäude selbst nur wenig Relikte aus der Vergangenheit, vielmehr sichtbar sind die Spuren von mehreren Umbauten. Ein interessantes Objekt ist der Aufzug. Wir ließen ihn bei unserem Einzug bauen. Dafür musste ein Loch durch alle drei Etagen gebohrt werden. Auf diese Weise konnten wir untersuchen, wie die Wände damals gebaut wurden: In den frühen 30er Jahren verwendete man noch kein Eisen, sondern Schilfmatten, um den Beton zu verstärken. Beton war damals noch kein sehr zuverlässiges Baumaterial. Es war zu dieser Zeit noch ziemlich innovativ, mit Beton zu bauen. Das Material ermöglichte eine völlig neue Architektur. Beton war ein wichtiges Merkmal für die Entstehung dieses modernistischen Stils.
Ist das Propädeutikumgebäude aus derselben Zeit?
Es ist später entstanden. Dieses Gebäude ist nicht im Bauinventar und deshalb nicht geschützt. Seine Wände bestehen aus Blech. Es handelt sich um ein Industriebau aus den 70er Jahren, der keinen großen Wert als Industrieerbe besitzt. Ursprünglich wurde es als Lager für Ersatzteile genutzt. Dieses Gebäude gehört einem Immobilienunternehmen mit Sitz in Neuenburg. Für unsere interne Verwaltung ist diese Situation mit zwei Gebäuden und zwei verschiedenen Eigentümern nicht immer einfach. Wenn es an einem Gebäude Schäden gibt, muss mit dem Besitzer aus Neuenburg verhandelt werden. Wenn es beim älteren Bau Schäden gibt, müssen wir mit dem anderen Besitzer verhandeln, nämlich der COOP. Zum Beispiel wegen der Wasserschäden, die uns seit 15 Jahren beschäftigen! Bei jedem starken Sturm aus dem Westen tritt Wasser ein. Wir haben alles versucht… Wir haben alle Fenster ausgetauscht – wir dachten, sie seien undicht, aber das war nicht der Fall. Wir haben daneben die Heizungsrohre untersucht, die zwischen den Etagen verliefen – wir haben sie verschoben und ersetzt. Dadurch sind sie nun an den Wänden sichtbar und nicht mehr verborgen in der Decke. Auch diese Massnahme hat nichts geändert. Dann dachten wir, es gebe einen defekten Schornstein auf dem Dach. – Wir haben ihn ausgetauscht, aber das hat auch nichts geändert. Schließlich planen wir für diesen Sommer, alle Fugen der bereits ausgetauschten Fenster zu erneuern – vielleicht haben wir beim Fensteraustausch nicht ordnungsgemäß isoliert. Es ist ein altes, denkmalgeschütztes Gebäude und fast 100 Jahre alt. Jede Änderung muss vom Denkmalschutz genehmigt werden. Besonders wenn man etwas an der Außenseite des Gebäudes, an der Fassade ändern möchte. Zum Beispiel im Showroom haben wir eigentlich zwei Fassaden: eine ursprüngliche Außenfassade und eine innere Fassade. Die äußere Fassade musste zwingend so bleiben, wie sie war, da ihre sehr großen Fenstern und ihre originalen Metallrahmen Zeitzeugen der Architekturgeschichte sind. Also mussten wir, um einen akzeptablen Isolierungsgrad zu erreichen, ohne alles zu verändern, eine zweite Glasscheibe innen einbauen…